Was geht in einem Roman?

… fragt das Kondom die Banane.

Und nein, ich möchte weder mich noch Sie mit dem kurzen Ausflug in die Jugendsprache auf ein zukünftiges Pausenhof Epos einstimmen. Vielmehr umreißen die zwei Worte ein kompliziertes Dilemma, vor dem fast jeder Belletristik Autor über kurz oder lang steht.

Was will, kann und darf ich in meinem Roman verwenden.

Ich meine damit jetzt nicht einfach zu beantwortende Rätsel wie Markennamen oder Zitate, sondern den allgemeinen Verlauf einer Story. Wie detailliert darf ich den Mord in einem Krimi beschreiben, ist auspeitschen in einer SM Romanze noch drin oder wie grausam darf eine Science – Fiction Welt sein.

Du willst doch nicht etwa behaupten, dass ich so mickrig bin, wie der Rüssel eines Elefanten! - Pazuzu - Sünde Band 1    

Natürlich kann man auch brav auf dem Mainstream surfen. Wenn Millionen einen Zauberlehrling lieben, werden sich schon ein paar tausend finden, die eine Hexenadeptin mögen. Das magische Internat liegt dann selbstredend nicht mehr in England sondern in der Eifel oder etwas exotischer tief verborgen in den Rocky Mountains. Es gibt viele, die das machen, aber mich reizt so etwas nicht. Vermutlich könnte ich einen solchen Roman anfangen, aber ich würde ihn wohl nie zu Ende schreiben. Zumindest nicht ohne vorher einen grausamen Tod durch Langeweile gestorben zu sein. Ich möchte Grenzen erfahren, meine eigenen und die der Leser. Ich möchte sehen was und vor allem wie es beim Leser ankommt und wie ich mich dabei fühle – beim Schreiben und beim Lesen der Kommentare.

Deshalb liebe ich Fantasy und Science – Fiction und genau deshalb ist Sünde entstanden. Ein brachiales Werk mit all der Brutalität und gnadenlosen Erotik des Mittelalters. Eine entfesselte Kirche, die mit magischen Mitteln versucht eine Parallelwellt voller Fabelwesen als Gottes eigenes Land zu unterwerfen. Dabei findet sich plötzlich Lilith, eine viertausend Jahre alte Dämonin, zusammen mit ihren anfangs unfreiwilligen Freunden im Mittelpunkt einer Kette von Ereignissen, die zur letzten finalen Schlacht führen. Trisch wird in eine Schandmaske gesperrt, Lilith in einem Kerker angekettet und dazwischen gibt es unzählige Abenteuer, nicht zuletzt in der horizontalen, die mal deftig und mal dezent sind.

Mittlerweile sind vier Bände von Sünde erschienen, wobei die ersten beiden Bücher eigentlich als Doppelroman zusammengehören und ich habe viele Reaktionen auf die Reihe erhalten – mehr als ich erwartet habe – als Kommentare auf Amazon, als PM auf Facebook und etliche als Email. Die einen verstehen es als Lesevergnügen, als Indie – Literatur oder als Experiment um Grenzen auszuloten, während die anderen mich beschimpfen, weil ich – zumindest literarisch – Frauen schmerzen zufüge und in Kerker sperre.

Sekunde mal eben, im Keller wird es zu leise. Ich muss kurz die Streckbank nachspannen.

Sünde polarisiert und damit habe ich meinen Job gut gemacht. Aber heißt das jetzt auch, dass ich einen Folterkeller mein eigen nenne und klebrigen Fantasien von gefolterten Frauen fröne?

Nein, mitnichten natürlich.

Ich lade eine Frau deutlich lieber zu einem Candlelight Dinner ein, als zu einem Abend am Andreaskreuz und ich habe auch kein mittelalterliches Rollenbild vom anderen Geschlecht. Im Gegenteil, meine Heldinnen sind durch die Bank starke selbstbewusste Charaktere – sie kämpfen sich nur durch die Widrigkeiten einer brutalen Welt. Das meiste von dem was ihnen dabei widerfährt habe nicht einmal ich selbst mir ausgedacht, sondern ist in jedem gutsortierten Museum zu bestaunen. Und wer es noch extremer will, möge bitte dem örtlichen Sexshop einen Besuch abstatten.

Und hier noch ein kleiner Ausflug in die Realität von heute. Vor einigen Tagen hat sich das junge Model Khulood in Saudi – Arabien, nur wenige Flugstunden von uns entfernt,  in Minirock und T – Shirt filmen lassen. Beim Besuch einer Altstadt. Einige Tage später wurde sie verhaftet und wird vermutlich wegen sittenwidrigen Verhaltens ausgepeitscht.

Für das Tragen eines Minirocks!

Die Welt – unsere Welt – ist ein grausamer Ort, an dem es täglich zu Gewalt kommt und genau deshalb thematisiere ich Gewalt in meinen Büchern. Mal weniger, wie im Lied des ewigen Nebels, mal mehr wie in Sünde.

In dem Sinne …

… was geht Alda?

Oder man liest sich.

Ihr Laird Oliver

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