Sünde-Sammelband 2

Sünde Sammelband 2


Traust du dich?

Die Tage werden länger, Halloween rückt näher und damit wird es wieder Zeit nach unserer Lieblingsdämonin zu sehen. Zum Aufwärmen gibt es schon mal alle bisher erschienen Bände in einem richtig dicken Sammelband. Vier mal Sünde zu einem unschlagbaren Preis – wenn das nicht mal ein unmoralisches Angebot ist.

  • Schandmal
  • Schandmaske
  • Hexenhammer
  • Judaswiege

Die Babylonier nannten mich Lilītu, die Hebräer לילית …
… und dann kamen die Christen. Sie teilten die Welt in Gut und Böse und eine 1,80 Meter große Frau mit geschwungenen Hörnern, Fledermausflügeln und Hufen wie eine Ziege, die auf dem Schlachtfeld einen todbringenden Klingentanz aufführte, ließ sich für die bigotten Kuttenträger nur schwer mit dem Begriff Gut vereinbaren. So wurde ich zu Lilith, der Verführerin der Nacht.
Aber sie hassten nicht nur mich, sie hassten uns alle …
… alle Dai – die Were, die Zentauren, die Harpyien, die Faune, die Zwerge, das Volk. Einfach jeden im Herem, außer den Mal´ach und den Kriegern der Nacht. Für sie waren wir Dämonen, widerwärtige Abscheulichkeiten, deren bloße Existenz gegen die Ordnung der Natur und ihres Gottes verstieß. Ihr verfluchter Kreuzzug überrannte und brandschatze unsere Welt, den Herem, seit Jahrhunderten …
… und sie hatten mich gefangen genommen.
Dies ist meine Geschichte und die Geschichte des Heiligen Krieges im Herem, dessen letzte Schlacht begann, als die Tür zu meinem Kerker sich nach fünfhundert Jahren wieder öffnete und ein Inquisitor mich “bat” bei der Jagd nach einem Serienmörder zu “helfen”.

Leseprobe:

Cain Blach, die stolze Feste des Tals der Schatten, würde nicht mehr lange standhalten, so viel war klar. Der erste und zweite Wall war überrannt und die Krieger der Nacht und die Armee der Kreuzritter drängten gegen die Zitadelle, noch vor wenigen Tagen hätte ich das für undenkbar gehalten.
Die Feste schmiegte sich in das V-förmige Ende der Lill´iach Schlucht, zu beiden Seiten reckten sich die Felsen der Thorgorin Berge fast senkrecht in die Höhe, sie boten Gegnern keine Chance für einen Angriff über die Flanken und die spiegelglatten Obsidianmauern der Wälle erhoben sich aus einer schmalen kargen Ebene, in der es keinerlei Deckung gab. Man konnte Cain Blach mit einer Handvoll Kämpfer gegen eine erdrückende Übermacht halten …
… für Jahre.
»Solange wir die Feste verteidigen, wird sie nicht fallen«, hatte König Marien vor zwei Tagen gesagt, dann war der Silach Wall gefallen und wenige Stunden später der Horins Wall.
Seither stürmten die verfluchten menschlichen Ritter mit ihren Kreuzbannern an der Seite der Krieger der Nacht gegen Shivan`an, das große Tor der glorreichen Zitadelle.
Ich schlug mit den Flügeln, ließ mich von einer warmen Strömung etwas höher tragen und zog einen weiten Kreis über das Schlachtfeld, unter mir erstreckte sich eine amorph wogende Masse, ein Monster aus tausenden und abertausenden Körpern, Rüstungen, Schilden …
… und Toten – unseren und ihren. Auf endlosen Meilen vor Cain Blach konnte ich keinen Stein und Flecken Erde erkennen, die Ebene glich einer Ameisenstraße aus übereinanderliegenden Leibern, die Lebenden krochen über die Toten, die Gesunden über die Verletzten, die Krieger der Nacht über die Menschen. Obwohl ich selbst einmal ein Mensch gewesen war, fand ich die einen nicht weniger abstoßend als die anderen, die Krieger der Nacht schienen umgeben von einem Fetzen der Finsternis, der sie ausgewürgt hatte, sie trugen ihn wie einen Mantel oder Umhang und man konnte ihre Gestalt nicht wirklich erkennen inmitten der wabernden Dunkelheit. Wenn man es doch einmal schaffte, einen Blick auf sie zu erhaschen, waren es verdrehte Kreaturen mit Buckeln und schiefen Schultern, die scheinbar ungelenk auf ungleich langen Gliedern wankten, mit zerschmetterten Körpern, die an vielen Stellen eingedrückt waren und denen man jedes Recht auf Leben absprechen wollte …
… aber sie kämpften und töteten uns.

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