Der Laird am Kilimandscharo

Sieben Jahre in Tibet oder doch besser zwei in Kenia

Es gibt Momente im Leben, da muss man Innehalten, das eigene Wertegefüge wieder zurechtrücken und neue Impulse sammeln. Der Betrieb, den ich zehn Jahre lang aufgebaut hatte, war weg und die große Liebe meines Lebens hatte mich in den Wind geschossen.
Sie wollte einen echten Kerl, bei dem sie sich auch mal anlehnen konnte …
… aha.
Hatte ich schon erwähnt, dass ich Frauen nicht verstehe?
Manche Leute gehen für so was nach Tibet, ich hatte mich für Kenia entschieden und so stand ich irgendwann im Moi International Airport und wusste, dass ich so schnell nicht wieder zurück wollte.

Schnee am Kilimandscharo

Einen Job als Tourguide hatte ich relativ schnell, die nötige Aufenthaltserlaubnis in Nairobi zu bekommen dauerte länger und war deutlich schwieriger.
Ich hatte wirklich gedacht, die Bürokratie in Deutschland wäre schlimm.
Die Bezahlung war für kenianische Verhältnisse ordentlich – 500 USD pro Monat.
Zumindest theoretisch …
… es ging dabei eigentlich nie um das Geld sondern eher um die Definition des Begriffs Monat aber egal ich war nicht hier, um an meiner Vermögensbildung zu arbeiten, dafür gibt es bessere Gegenden als Afrika.
Ich suchte mir in Nairobi eine kleine Wohnung. Nairobi ist Swahili und bedeutet soviel wie Ort des kühlen Wassers, am Tage wird es dort kaum wärmer als 20 Grad und die Abende sind eher angenehm kühl als kalt. Das perfekte Klima für einen Europäer, deshalb war es wohl zu Kolonialzeiten der Verwaltungssitz und ist noch heute die Hauptstadt des Landes.
Anders als in vielen afrikanischen Staaten gibt es in Kenia eine Mittelschicht und damit bezahlbaren Wohnraum zwischen unerschwinglich teuer und einem Slum.
Die Möbel kaufte ich bei Händlern auf der Strasse, die Schönsten, die ich jemals hatte, teilweise handgeschnitzt und Lichtjahre von der Qualität eines schwedischen Möbelhauses entfernt.
Als Weißer mit einem halbwegs regelmäßigen Einkommen und hin und wieder Unterstützung aus der Heimat lebte es sich nicht schlecht unter der Sonne Afrikas, aber für viele Kenianer sieht das Leben anders aus. Direkt neben dem Golfplatz für die Schönen und Reichen beginnt Kibera, das zweitgrößte Slum Afrikas.
Die Menschen leben in winzigen Wellblechhütten, den Shacks, teilweise zu acht oder mehr. Der Müll stapelt sich und verwandelt sich während der Regenzeit in einen zähen, widerlichen Schlamm, durch den man knöcheltief watet. Es gibt nur ein Gemeinschaftsklo pro Viertel, das allerdings keiner Beschilderung bedarf, weil man es meilenweit gegen den Wind riecht und die HIV-Rate ist astronomisch.
Trotzdem ist die Stimmung in den engen Gassen besser als in Deutschland in einem Urlaubshotel …
… das macht nachdenklich.
Aber Kenia ist ja vor allem bekannt für …
… Haia Safari.

Die Big Five hatte ich schon am zweiten Tag meiner ersten Safari gesehen und durch die Mara rennt wahrscheinlich immer noch ein Kapbüffel mit einer Tür meines Safariwagens am Horn herum.
Auch wenn die Massai Mara der größte und bekannteste Nationalpark Kenias ist, der Schönste – zumindest für mich – ist der Amboseli am Fuße des Kilimandscharo, mit 5895 Metern der höchste Berg Afrikas und wegen seiner Vulkanform wohl auch einer der schönsten. Die Masai verehren ihn als magischen Ort, an dem die Götter wohnen.
Ich kann es nachvollziehen …
… der morgendliche Blick von der Ol Tukai Lodge auf Elefanten und den Kili ist atemberaubend – sofern seine Majestät der Berg gnädig ist und sich nicht in Wolken hüllt.
Meine Zeit in Afrika war nach zwei Jahren und einer wundervollen Liebe vorbei …
… die Erinnerungen daran werde ich nie vergessen.

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