Gute Fantasy-Bücher für Erwachsene oder wo man sie findet – Teil 1

Ein Sonntag im Sommer

Der Artikel geistert mir schon einige Zeit im Kopf herum. Genauer seit einem Sonntag im August, als ich meinen Kindle malträtiert habe, weil das störrische Gerät mir mal wieder nicht den Lesestoff liefern wollte, der mich schon nach den ersten Zeilen eingefangen hat. So was passiert. Was aber eigentlich weniger an meinem Kindle, sondern eher an mir lag, weil ich nach dem Ende des einen Buchs nicht gewusst habe, was ich als nächstes lesen soll. Also habe ich den Ebook Reader zur Seite gelegt, mein Handy gezückt und mich durch Audible gewühlt. Der Hörbuch Markt ist kleiner und damit übersichtlicher, was es leichter machen sollte etwas zu finden. Vor allem da ich noch einige Titel in meiner Bibliothek habe, die ich gerne mal anhören würde …

Von alten Helden und junger Liebe

… eigentlich. Elias & Laia zum Beispiel. Da fand ich den ersten Band klasse, bin aber leider nach der ersten halben Stunde des zweiten Buchs eingeschlafen. Dem wollte ich gerne noch eine zweite Chance geben. Oder Mortal Engines. Da habe ich mir nach dem Kinofilm gleich alle Bücher als Hörbuch geholt, weil sich ein paar Guthaben angesammelt haben. Aber an dem Sonntag hat mich nichts davon gepackt. Weder die aufkeimende Liebe zwischen Laia und Elias noch die jugendlichen Helden von Mortal Engines. Also bin ich irgendwann um das Bücherregal mit den alten Schinken herumgetigert, die noch aus einer Zeit stammen, als ein tausend Seiten Wälzer wirklich schwer war. Und dann habe ich doch noch Lesefutter für den Sonntagnachmittag gefunden. Elric von Melniboné – Die Sage vom Ende der Zeit. Und da habe ich gewusst, was ich gesucht habe: Den guten Stoff für die großen Jungs.

Wozu man eine Dschinn Sklavin wohl benutzen könnte?

Erwachsen? Wie bitte …

Das treibt mich nicht nur als Leser um, sondern natürlich auch als Schriftsteller. Denn wie schon erwähnt richtet sich „Sünde“ nicht zuletzt an ein Publikum, das gerne mal erwachseneren Lesestoff genießt. Zumindest glaube ich das. Das gleich gilt auch für „Gischtgeboren“. Trotzdem. Ganz so einfach einordnen lässt es sich aber leider nicht. Das gute Buch eh nicht, weil gut immer Geschmackssache ist und das mit dem erwachsen auch nicht. Zumindest nicht so leicht, wie High Fantasy, Urban Fantasy oder Low Fantasy. Das sind Genres. Unterkategorien der Fantasy sozusagen, die ziemlich gut vorgeben, was ein Leser zu erwarten hat. Bei High Fantasy wird es immer irgendwie episch und es kommen gerne mal spitze Ohren und stämmige kleine Frauen mit Bärten vor und bei Urban Fantasy geht es oft um junge Frauen, die große Liebe und spitze Zähne.

Adult Fantasy?

Genau, das hört sich irgendwie schlüpfrig an. Ein bisschen nach „Ritter der Stoßburg“, oder so.

„Was haben Sie denn am Wochenende gelesen?“

„Adult Fantasy.“

„Aha …“

Wenn das ein echtes Gespräch gewesen wäre, wäre der Blick meines Gegenübers jetzt vermutlich unbezahlbar. Sex und Gewaltszenen sind vielleicht nicht besonders elegant, aber sie gehören anscheinend trotzdem beinahe zu jeder Form von Erwachsenenunterhaltung.  Eine Idee, der anscheinend auch die Macher der „Game of Thrones“ Ablegerserie „House of the Dragon“ anhängen. Denn bereits die Folge der neuen Serie bietet ein üppiges Schlachtbankett. Da wird die Königin bei lebendigem Leib in einem verpfuschten Kaiserschnitt ausgeweidet, um den sehnlichst erwünschten Prinzen zu retten, die Goldröcke metzeln sich durch Königsmund, um Recht und Ordnung zu schaffen und hinterlassen dabei Wagenladungen an abgetrennten Körperteilen, während sich Dr. Who sichtbar lust- und erfolglos in einem Bordell abmüht. Sex sells eben.

Das Lied der Himmelstänzerin

Game of Thrones oder das Lied von Feuer und Eis

Ich muss gestehen, dass ich die Romanvorlage zu „House of the Dragon“ nicht gelesen habe. Es steht aber auf jeden Fall auf meiner Liste, denn die Bücher von George R.R. Martin gehören eindeutig zu den guten Fantasy Büchern für Erwachsene. Die TV – Serie ist natürlich auch sehr gut – bis auf die letzten zwei bis drei Staffeln. Dabei – und hier muss ich mich wirklich vor einem Meister des Fachs verneigen – versteht es Martin explizite Inhalte so gekonnt zu umschreiben, dass sie weit weniger explizit erscheinen. Obwohl im Kopf des Lesers gerade das Kino rund läuft. Herrlich.

In einem fernen Land

„Game of Thrones“ spielt in einer Welt, die keinen Bezug zu unserer Erde hat. Sie ist rein fiktiv, entfaltet aber im Laufe der Handlung eine bemerkenswerte Tiefe. Eine besonders gelungene Idee ist dabei, dass sich die Jahreszeiten über mehrere Jahre hinziehen und die Dauer von Sommer und Winter nicht vorhersehbar ist. Mit Beginn der Handlung neigt sich gerade ein ungewöhnlich langer Sommer seinem Ende entgegen. Handlungsort ist Westeros, das zu einem großen Teil aus den Sieben Königslanden besteht, die seit beinahe 300 Jahren ein vereintes Königreich bilden. Die Welt, soweit der Leser sie kennt, ist ausgesprochen feudalistisch und erinnert an das Mittelalter, wobei sich einzelne Teile jedoch deutlich in Kultur, Religion und Klima unterscheiden. Viele der ausgearbeiteten Details in Westeros und Essos sind offensichtlich unserer Geschichte entliehen, aber sehr spannend neu arrangiert worden, was zu einem faszinierenden Weltentwurf führt, der mit Sicherheit einen nicht unerheblichen Teil des Erfolgs von Game of Thrones ausmacht. Eine zentrale Position in der Handlung spielen die Herrscherhäuser der Sieben Königslande, deren Mächtigste jeweils eines der sieben Reiche beherrschen. So herrschen die Starks beispielsweise über den Norden, die Arryns über das Grüne Tal, die Tullys über die Flusslande, die Graufreuds über die Eiseninseln und die Targaryen eben über alles.

Richtig gute Fantasy Bücher für Erwachse

Oder herrschten über alles. Denn im ersten Buch hat der letzte Targaryen König, der Irre König, bereits ein unfreiwilliges Ableben gefunden und die lustige Rochade um den Thron beginnt. Das alles klingt bereits nach einem spannenden Fantasy Abenteuer, aber trotzdem wäre „Game of Thrones“ ohne Sex und Gewalt eben nicht „Game of Thrones“. Was George R.R. Martins Epos zu einem Werk macht, das sich eher an ein erwachseneres Publikum richtet. Das hat was mit gesellschaftlichen Normen zu tun …

Das Lied von Feuer und Eis Band 3
Quelle: https://www.penguinrandomhouse.de
Sklavin des Zorns von Laird Oliver

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